Studium und Forschung

Promotion: Globale Diffusion und internationale Akteure in der Sozialpolitik der osteuropäischen EU-Nachbarstaaten

Die umfassende wirtschaftliche und gesellschaftliche Transformation der osteuropäischen Staaten nach dem Umbruch von 1989 brachte auch einen kompletten Um- und Neuaufbau der Systeme sozialer Sicherung mit sich. Dieser fiel zusammen mit einem Wandel wohlfahrtsstaatlicher Vorstellungen und einer „Krise des Sozialstaates“ in der westlichen Welt sowie einer wachsenden Bedeutung von inter- und transnationalen sozialen Kräften auf die Sozialpolitik.

Aus diesen Umbrüchen ergeben sich für die osteuropäischen Länder außerhalb der Europäischen Union zwei Fragestellungen, die zentral für die angestrebte Dissertation sein werden. Zum einen wird gefragt, ob sich in den osteuropäischen EU-Anrainern Wohlfahrtsstaaten im Sinne des umfassenden politisch-normativen Wohlfahrtsstaatskonzepts von Kaufmann (2003)⁠ entwickelt haben. In Abgrenzung zur klassischen Typologisierung (Esping-Andersen 1990)⁠ von Wohlfahrtsstaaten soll am Beispiel der Länder Russland, Belarus und Ukraine mit Kaufmanns Wohhlfahrtsstaatskonzept die „Gestalt“ oder der „Eigensinn“ der osteuropäischen Wohlfahrtsregime herausgearbeitet werden.

Zum anderen reiht sich die Arbeit in die wachsende global policy Forschung ein und fragt, welche inter- und transnationalen Akteure auf globaler und weltregionaler Ebene auf welche Art die Sozialpolitik in den Ländern der EU Nachbarschaftspolitik in Osteuropa prägen. Es sollen die Diffusionsprozesse westlicher Wohlfahrtsstaatsmodelle und Leitbilder in der Sozialpolitik in Osteuropa untersucht werden. Dabei wird davon ausgegangen, dass sowohl internationale Organisationen und transnationale Akteure als auch die soziale Weltregion EU die Gestaltung der osteuropäischen Sozialpolitik stark mitgestalten, auch wenn im Fall der EU andere kommunikative Formen der Interaktion zu erwarten sind, als gegenüber den jetzigen neuen EU-Mitgliedsländern. Anhand eines ausgewählten Sektors der Sozialpolitik werden die zum Teil sehr unterschiedlichen Politiken der globalen und weltregionalen Akteure in der Sozialpolitik in einer historischen Längsschnittanalyse für die Länder Russland, Belarus und Ukraine untersucht. Die Hauptmethoden der Arbeit sind Dokumentenanalyse, insbesondere auch russischsprachiger Literatur, sowie Experteninterviews.

Des Weiteren zielt die Dissertation auch darauf ab, einen Beitrag zur theoretischen Diskussion einer entstehenden Weltgesellschaft und einer globalen Sozialpolitik zu leisten. Dafür soll das Verhältnis neogramscianischer Ansätze zur neoinstitutionalistischen Weltkulturtheorie eruiert sowie geprüft werden, ob sich beide Ansätze fruchtbar ergänzen und für die Analyse globaler Sozialpolitik nutzen lassen. Neogramscianische Perspektiven fokussieren sich auf eine wandelnde globale Hegemonie, die Weltkulturtheorie stellt weltweite Diffusionsprozesse westlicher Entwicklungsmodelle in den Mittelpunkt der Analysen. Obwohl beide Ansätze vor allem globale und weltregionale Akteure betrachten, sind sie bisher kaum auf die globale Sozialpolitik angewandt worden. Diese Lücke soll in der Dissertation geschlossen werden.

Wissenschaftliche Veröffentlichungen

  • Robert Kalimullin, Martin Brand (im Erscheinen): Fußball und Nation in Ostgalizien, in: Inter Finitimos – Jahrbuch zur deutsch-polnischen Beziehungsgeschichte, 9 (2011).
  • Brand, Martin (im Erscheinen): Ukraine, in: Markus Porsche-Ludwig, Jürgen Bellers (Hg.): Handbuch Sozialpolitiken der Welt, LIT Verlag, Berlin.
  • Brand, Martin (2008): Die Europäische Nachbarschaftspolitik – ein neoliberales Projekt?, in: Utopie kreativ, Heft 217, S. 997-1006.

Konferenzen und Workshops

Arbeiten aus dem Studium (Auswahl)

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.